Die Bindegewebsmassage ist eine spezielle Form der Reflexzonenmassage. Man geht davon aus, dass bei Erkrankungen der inneren Organe und des Bewegungsapparates eine Dysbalance der Spannungen und eine Störung des Stoffwechsels der Subkutis entsteht. Alle Gewebsabschnitte mit einer veränderten Spannung oder einer Verklebung werden mit einer besonderen Technik gereizt, bis ein Spannungsausgleich hergestellt ist. Bei der Ausführung der Bindegewebsmassage empfindet der Patient subjektiv ein charakteristisches Schneidegefühl an allen therapierelevanten Stellen. Bei Reizung des subkutanen Bindegewebes kommt es direkt zu einer Beeinflussung des vegetativen Nervensystems. Indirekt oder reflektorisch werden die Organe und ihre Funktionen beeinflusst. Neben diesen allgemeinen und reflektorischen Wirkungen werden durch den lokalen Spannungsausgleich Störungen des Bewegungsapparates verbessert.

Ziele der Bindegewebsmassage:

  • allgemeiner Spannungsausgleich im subkutanen Bindegewebe
  • Lösung von Verklebungen zwischen Subkutis und Muskelfaszie
  • normalisiertes Aktivitätsmuster der Organe durch Unterstützung, Förderung oder Hemmung der vegetativ gesteuerten Organfunktion

Entwicklung der Bindegewebsmassage:
Die Bindegewebsmassage ist eine rein empirisch entstandene Methode. Ihre Begründerin, Frau Elisabeth Dicke (1884 – 1952) fand ihre ersten Anwendungen in diesem Sinne, als sie bei eigener schwerer Erkrankung, (1929) – fortgeschrittene Durchblutungsstörung des rechten Beines – unter Schmerzen in der Kreuzbeingegend und im Beckenbereich litt und hier mit der Hand eine Veränderung erzielen wollte.

 P1220105Sie fand abweichende Spannungsverhältnisse im Bereich der Haut 
 und Unterhaut, des peripheren Bindegewebes und versuchte 
 daraufhin, trotz der vorhandenen Überempfindlichkeit dieses 
 Gebietes, mit streichenden und ziehenden Fingern die erhöhten 
 Spannungen auszugleichen und die „Infiltrate“ (wie Fr. Dicke 
 zunächst die derben Schwellungen zu deuten suchte) zu teilen.

 

Der Erfolg dieser Versuche war verblüffend:

  • Kreuz- und Rückenschmerzen verschwanden
  • an gleicher Stelle starke, anhaltende Wärmeempfindung – diese Auswirkungen griffen auch auf das erkrankte Bein über bereits drohende Beinamputation konnte unterbleiben.

 Frau Dicke fand völlig unabhängig und unwissend eine grundsätzliche Form des viscero-peripheren-Reflexes (Haut-Organ-
 Reflex), nämlich zwischen den Viscera, den Eingeweiden und dem peripheren Bindegewebe.